Reflexion als gefügte Praxis

Autor/innen

  • Jörg Niewöhner Humboldt-Universität zu Berlin

Schlagworte:

Kritik, Ethnografie, studying up, materiell-semiotische Praxis

Abstract

Ethnografische Forschung ist reflexiv, sowohl mit Blick auf die eigene Forschungspraxis als auch auf die eigene Person in einem gesellschaftlichen Kontext. Wie genau sie dies ist, wird selten diskutiert. Implizit wird diese Reflexivität häufig als eine individuelle geistige Haltung und Fähigkeit zur Kritik verstanden. Spätestens seit das ebenfalls umfänglich reflexive Forschungssubjekt in der Europäischen Ethnologie zum Regelfall geworden ist, bedarf es einer Überprüfung dieses Reflexivitätsverständnisses. Ich schlage hier vor, Reflexivität als gefügte Praxis zu verstehen und sie damit für empirische Forschung verfügbar zu machen. Reflexivität als gefügte Praxis dezentriert, erstens, Reflexivität als geistigen Prozess und etabliert stattdessen Reflektieren als konkrete materiell-semiotische Praktik. Zweitens dezentriert diese Perspektive das individuelle epistemische Subjekt zugunsten von Reflektieren als einer ko-laborativen Praxis. Drittens plädiert dieser Ansatz für ergebnisoffenes Reflektieren als Selbstzweck statt es gleichsam in den Dienst einer spezifischen Form der Kritik zu stellen.

Autor/innen-Biografie

Jörg Niewöhner, Humboldt-Universität zu Berlin

Jörg Niewöhner forscht und lehrt am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin. Er beschäftigt sich in seiner ethnografischen Forschung mit den Veränderungen von Mensch-Umwelt Beziehungen vor allem in den Kontexten globaler Klima- und Umweltwandel und psychische Gesundheit in Städten. Seit 2018 leitet er außerdem das integrative Forschungsinistitut THESys: Transformations of Human-Environment Systems an der HU Berlin.

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Veröffentlicht

01. Februar 2021

Zitationsvorschlag

Niewöhner, J. (2021). Reflexion als gefügte Praxis. Berliner Blätter, 83, 107–116. Abgerufen von https://berliner-blaetter.de/index.php/blaetter/article/view/1103